Anschläger und Einweiser sind auf US-Baustellen keine Nebenrollen: Sobald Menschen in der Nähe einer Last arbeiten, regelt OSHA genau, wer anschlagen und wer dem Kranführer Zeichen geben darf. Kurz gesagt muss der Einweiser (signal person) vor dem ersten Zeichen qualifiziert sein, belegt durch eine mündliche oder schriftliche und eine praktische Prüfung. Der Anschläger muss ein qualifizierter Anschläger (qualified rigger) sein, wenn Beschäftigte im Fallbereich die Last anschlagen oder führen, und beim Auf- und Abbau des Krans.
Beide Regeln stehen in 29 CFR 1926 Subpart CC, dem US-Standard für Krane und Derricks im Bauwesen. Bei der Veröffentlichung im August 2010 schätzte OSHA, dass er jährlich 22 Todesfälle und 175 nicht tödliche Verletzungen verhindern würde (GAO, 2010). Der Beitrag richtet sich an Unternehmen mit Projekten in den USA oder für US-Auftraggeber. Am Ende vergleichen wir das mit dem EU-Code für Handzeichen.
Wann ist ein Einweiser vorgeschrieben?
OSHA verlangt einen Einweiser in drei Fällen: Der Kranführer sieht den Arbeitsbereich (Lastweg oder Absetzstelle) nicht vollständig, die Sicht in Fahrtrichtung ist beim Verfahren des Krans verdeckt, oder Kranführer bzw. die Person an der Last halten ihn wegen der Bedingungen auf der Baustelle für nötig. In allen anderen Fällen ist er freiwillig.
Die Liste steht in 29 CFR 1926.1419(a) (eCFR). Der dritte Fall wiegt schwerer, als es scheint. Kranführer oder Anschläger können einen Einweiser anfordern, und laut Vorschrift genügt das.
Derselbe Abschnitt legt die Arbeitsregeln fest, die jeder Einweiser kennen muss:
- Zeichen können per Hand, Stimme, akustisch oder als „neue“ Zeichen gegeben werden. Handzeichen folgen der Standardmethode aus Anhang A zu Subpart CC.
- Abweichende Handzeichen sind nur erlaubt, wenn die Standardmethode nicht anwendbar ist. Einweiser, Kranführer und Hubleiter müssen sie vor dem Hub vereinbaren.
- Es gibt immer nur eine Person, die Zeichen gibt. Wer eine Gefahr bemerkt, darf das Halt- oder Nothalt-Zeichen geben.
- Richtungsangaben erfolgen aus Sicht des Kranführers, nicht des Einweisers.
- Reißt die Verbindung ab, muss der Kranführer sicher anhalten, bis sie wiederhergestellt ist.
Was einen qualifizierten Einweiser ausmacht
Ein qualifizierter Einweiser kennt die verwendeten Zeichen (bei Handzeichen die Standardmethode), wendet sie sicher an, versteht die Grundlagen von Kranbetrieb und Grenzen, also wie Lasten pendeln und abgebremst werden und wie sich der Ausleger durchbiegt, und kennt die Signalregeln von Subpart CC. Belegt wird das durch eine mündliche oder schriftliche und eine praktische Prüfung.
Die fünf Anforderungen nennt 29 CFR 1926.1428(c) (eCFR). Der Arbeitgeber wählt einen von zwei Nachweiswegen:
| Weg | Wer beurteilt | Übertragbar auf andere Arbeitgeber? |
|---|---|---|
| Option 1 | Ein externer qualifizierter Prüfer, eine unabhängige Stelle mit nachgewiesener Kompetenz | Ja, der Nachweis geht mit dem Beschäftigten |
| Option 2 | Ein qualifizierter Prüfer, den der Arbeitgeber selbst beschäftigt | Nein, andere Arbeitgeber dürfen ihn nicht nutzen |
Egal welcher Weg: Die Unterlagen müssen auf der Baustelle verfügbar sein, solange der Einweiser beschäftigt ist, und jede Signalart nennen, für die er qualifiziert ist, etwa Handzeichen oder Funk. Wer nur für Handzeichen qualifiziert ist, darf keinen Blindhub per Funk leiten.
Die Qualifikation kann auch verloren gehen. Zeigt das spätere Verhalten des Einweisers, dass er die Anforderungen nicht mehr erfüllt, gibt er nach 1926.1428(b) keine Zeichen mehr, bis er erneut geschult und beurteilt wurde.
Wer ist ein qualifizierter Anschläger?
OSHA definiert den qualifizierten Anschläger schlicht als Anschläger, der die Kriterien einer „qualified person“ erfüllt: anerkannter Abschluss, Zertifikat oder berufliche Stellung, oder umfassendes Wissen, Schulung und Erfahrung, verbunden mit der nachgewiesenen Fähigkeit, Probleme in dieser Arbeit zu lösen. Kurs und Ausweis schreibt der Standard nicht vor. Er verlangt nachgewiesenes Können.
Die Definitionen stehen in 29 CFR 1926.1401 (eCFR). Subpart CC verlangt den qualifizierten Anschläger an zwei Stellen:
- 1Auf- und Abbau. Werden Anschlagmittel beim Auf- oder Abbau des Krans eingesetzt, muss ein qualifizierter Anschläger diese Arbeit ausführen (1926.1404(r)).
- 2Arbeit im Fallbereich. Schlagen Beschäftigte im Fallbereich eine Last an, lösen oder führen sie oder stellen die erste Verbindung zum Bauwerk her, muss ein qualifizierter Anschläger die Last anschlagen, gegen unbeabsichtigtes Verrutschen sichern und Haken mit selbstschließender Sicherung verwenden (1926.1425(c)).
In der Praxis trifft der zweite Fall auf fast jeden Hub zu, bei dem jemand nahe an der Last steht. Viele Unternehmen planen den qualifizierten Anschläger deshalb fest in jede Kolonne ein.
Wie oft muss geschult werden?
Subpart CC setzt für Einweiser und Anschläger keine Kalenderfrist. Eine Auffrischung ist fällig, wenn Verhalten oder eine Wissensprüfung des Beschäftigten das nahelegen, und nach jeder Schulung muss der Arbeitgeber prüfen, ob sie verstanden wurde. Für den Beschäftigten ist die Schulung kostenlos.
Alle drei Pflichten stehen in 29 CFR 1926.1430(g) (eCFR). Nach 1926.1430(b) muss außerdem geschult werden, wer als Einweiser eingeteilt ist, die Anforderungen aber noch nicht erfüllt. „Keine feste Frist“ heißt also nicht „einmal reicht“. Auslöser ist ein Beleg: ein Beinaheunfall, ein falsches Zeichen beim Hub, die Beobachtung eines Poliers. Dieselbe Logik für andere Standards beschreiben wir im Beitrag zur OSHA-Auffrischung, und das kostenlose Tool zu den OSHA-Schulungspflichten (auf Englisch) zeigt, welche Standards einen echten Jahreszyklus haben.
In Deutschland ist der Ausgangspunkt ein anderer: Nach § 12 ArbSchG muss die Unterweisung bei der Einstellung, bei neuen Aufgaben oder Arbeitsmitteln vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen und erforderlichenfalls regelmäßig wiederholt werden.
Außerhalb der USA: der EU-Code für Handzeichen
Auf europäischen Baustellen gilt ein anderer Code. Richtlinie 92/58/EWG, Anhang IX legt Mindestvorschriften für Handzeichen fest: Sie müssen genau, einfach und gut unterscheidbar sein, der Einweiser muss alle Bewegungen überblicken können, ohne sich zu gefährden, und der Kranführer muss die Bewegung unterbrechen und neue Anweisungen anfordern, wenn er einen Befehl nicht sicher ausführen kann. Der Einweiser trägt ein auffälliges Erkennungszeichen (Jacke, Helm, Ärmel oder Armbinden), damit der Kranführer ihn sofort erkennt.
Der Anhang ordnet die Zeichen in vier Gruppen: allgemeine (Anfang, Halt, Ende), vertikale Bewegungen, horizontale Bewegungen und Gefahr. Arbeiten Ihre Teams mal in den USA, mal in der EU, schulen Sie beide Zeichensätze und halten Sie im Hubplan fest, welcher gilt. Eine Geste, die in den beiden Codes Unterschiedliches bedeutet, ist in gemischten Kolonnen ein echtes Risiko.
Wo VR hilft
Am schwersten ist die Vorbereitung auf die praktische Prüfung. Eine Zeichentafel lernt man auswendig. Das richtige Zeichen zu geben, während die Last auf ein Gerüst zupendelt, ist etwas anderes, und niemand will, dass ein Neuling das unter einer echten Last übt.
Unser VR-Szenario Rigger & Signalman setzt genau dort an. Es besteht aus vier Modulen von je etwa 10 Minuten: Handzeichen und Gefahren beim vertikalen Transport, Lastbewegung mit Handzeichen, Regeln für Sprachzeichen und das Führen einer Last per Stimme, wobei eine Spracherkennung die Kommandos prüft. Der Hub lässt sich wiederholen, bis die Zeichen sitzen. Für Teams, die auch an der Deckenkante arbeiten, gibt es Working at Height, und Workplace Hazard Spotting schult den Blick für Mängel vor Arbeitsbeginn.
VR ersetzt die Beurteilung selbst nicht. Der qualifizierte Prüfer führt weiterhin die mündliche oder schriftliche und die praktische Prüfung nach 1926.1428 durch. VR ändert, wie gut vorbereitet jemand dort ankommt, und das Sitzungsprotokoll gibt dem Prüfer etwas in die Hand. Bringen Nachunternehmer eigene Einweiser mit, prüfen Sie deren Unterlagen im Rahmen der Regeln, wie Sie Fremdfirmen unterweisen.
Unsere Szenarien finden Sie im VR-Schulungskatalog, Abschlüsse werden personenbezogen im VR-LMS erfasst.
Checkliste vor dem ersten Hub
- Braucht der Hub nach 1926.1419(a) einen Einweiser? Fordert ihn Kranführer oder Anschläger an, lautet die Antwort ja.
- Ist die Qualifikation des Einweisers auf der Baustelle dokumentiert, und deckt sie die Signalart ab, die Sie verwenden?
- Stammt sie von einem externen Prüfer oder von Ihrem eigenen Prüfer (nicht vom früheren Arbeitgeber)?
- Haben Kranführer, Einweiser und Hubleiter abweichende Zeichen vor dem Hub vereinbart?
- Schlägt ein qualifizierter Anschläger die Last an, wann immer jemand im Fallbereich arbeitet?
- Wissen alle, wie der Hub sofort gestoppt wird, wenn die Funkverbindung abreißt?




